10 May EIN HOLLÄNDER IN BUDAPEST

Lage und Nachbarn dieses 2004 eingeweihten und – zumindest äußerlich – ungewohnten Bürobaus des Holländers Erick van Egeraat gaben ausreichend Inspirationsquellen für den Entwurf. Die breite Dózsa-György-Straße war schon immer Grenze zum 100 ha großen Stadtwäldchen und zudem jahrelang Aufmarschplatz für Großkundgebungen in sozialistischer Zeit. Der Nachbarbau – in dem bis 2009 die Budapester Niederlassung van Egeraats ihre Räume hatte – ist ein 1950 eingeweihter und bis heute bewunderter Meilenstein der sozialistischen realistischen Architektur. Hinter der Parkrandbebauung dominieren freistehende Villen die Gegend. Hier liegt auch der Entwurfsansatz. Einerseits schließt der Bürobau die städtische Baulücke, andererseits zerlegt er die Masse in drei Volumen, die allesamt sehr subtil auf die Zeilen- beziehungsweise Villenbebauung reagieren. Für die Büronutzer entstehen in den Zwischenzonen zwei gebäudehohe Glasatrien. Mit der Fassade ist nahezu perfekt die Verschmelzung von Wand und Fenster gelungen: in den schmalen Streifen aus hellen und dunklen Natursteinplatten liegen kaum wahrnehmbar die schmalen Öffnungen. Durch ihre geknickte Form erscheinen die Kuben wie drei Felsen am Parkrand. Vor der Steinfassade schlängeln sich metallene Bänder entlang, als ob sie die Felsen zusammenhalten wollten. Abends spiegelt sich in ihnen der Autoverkehr vor dem nun ablesbaren, unregelmäßigen Muster der erleuchteten Bürofenster.